„Common Law? Da tragen die Richter doch so lustige Perücken, oder?“

Australien hat, neben anderen prominenten Vertretern wie England, Indien und Kanada, ein Common Law Rechtssystem. Deutschland hingegen ist ein Aushängeschild des Civil Law. Vereinfacht wird der Unterschied der beiden Systeme häufig als, auf Rechtsprechung basierend (Common Law) auf der einen und kodifiziertem Recht (Civil Law) auf der anderen Seite, beschrieben. Nicht nur das Europarecht, sondern auch die „Quasi-Bindungswirkung“ von Urteilen der oberen deutschen Gerichte und die zunehmende Kodifizierung des Rechts in Ländern des Common Law, lässt diese Unterscheidung heute jedoch unzutreffend erscheinen.

Der Unterschied zwischen den beiden Rechtssystemen ist vielmehr in der traditionell unterschiedlichen Denkstruktur zu finden. Während der deutsche Jurist einen Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere schließt (insbesondere im Gutachten), hangelt sich der australische Jurist von Fall zu Fall, vom Besonderen zum Besonderen.

Dieser Unterschied zeigt sich auch im kodifizierten Recht. Das deutsche Recht zieht allgemeines vor die Klammer und versucht so allgemein wie möglich zu bleiben, während das australische Recht bemüht ist, jedes Detail abzudecken und selten etwas vor die Klammer zieht. Bildlich lässt sich das an der Dicke der Gesetze belegen: Das australische Gesellschaftsrecht ist auf 2.215 Seiten kodifiziert, während HGB, GmbHG und AktG zusammengenommen noch nicht mal 400 Seiten im Schönfelder einnehmen.

Das Common Law bietet dem Richter durch seine Abhängigkeit von Präzedenzfällen (precedent) eine höhere Flexibilität und ermöglicht damit mehr Spielraum für Einzelfallgerechtigkeit. Jedoch erscheint es einem Civil Law Juristen hin und wieder willkürlich, warum ein Fall einen precedent bildet oder eben nicht, ihm fehlt die Rechtssicherheit, die die allgemeinen Strukturen der kodifizierten Gesetze vermitteln. Darüberhinaus führt das Verständnis des Common Law, in einem Prozess erst dann die "Wahrheit" ermitteln zu können, wenn alle relevanten Dokumente in Betracht gezogen wurden,  zu enormen Prozesskosten in Australien. Das führt dazu, dass Teile der Bevölkerung es sich nicht mehr leisten können ein Gericht anzurufen. Weiterhin führt es zu erhöhter compliance, da Unternehmen und Organisationen vermeiden möchten, in Prozesse verwickelt zu werden. Diese flächendeckende Compliance zieht wiederum eine Beeinträchtigung der bürgerlichen Freiheit nach sich. Aber auch das Civil Law beherbergt einige Nachteile:

Weiteres ist nachzulesen in dem Buch „Einführung in das australische Recht“ von Wolfgang Babeck, erschienen im C.H. Beck Verlag.



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Common and Civil Law Dialogue
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